Golf 2 Pn nimmt bei Betriebstemperatur schlecht Gas an / ruckelt

  • Guten Tag liebes Forum!

    Ich möchte mich erst einmal vorstellen, mein Name ist Jay, ich bin junge 20 Jahre alt und seit kurzer Zeit stolzer Besitzer eines Golf 2 von 1989 mit dem PN-Motor. Da ich mittlerweile gefühlt das halbe Internet abgesucht habe, aber leider immer noch keine Lösung für mein Problem gefunden habe, hoffe ich auf diesem Wege zum Ziel zu kommen.


    Folgendes: Das Auto stand insgesamt bestimmt 8 Jahre und wurde Karosserietechnisch vollständig aufbereitet. Bevor es zum TÜV ging habe ich ihn ein paar mal Probegefahren. Er lief Seidenweich, perfekt ruhige Leerlaufdrehzahl, keine Probleme, nichts. Nachdem ich die Bremsen ein bisschen freigebremst habe ist mir leider der Heizungskühler geplatzt. Also bestellt und getauscht. Seit dem (ich weiß, dass es nichts damit zu tun haben kann) lief er im Leerlauf leicht unruhig, sonst nichts. Dann gings zum TÜV, alles top, nur die ASU mit einem Augenzwinkern geschafft (KLR verbaut zwecks Umschlüsselung auf Euro 2). Anschließend bin ich dann mal etwas längere Strecke Autobahn gefahren und er fing an bei ca. 120Kmh zu ruckeln und kein Gas mehr richtig anzunehmen, im vierten Gang dasselbe. Je länger ich gefahren bin, desto langsamer konnte ich fahren, der Gang ist dabei egal. Mit voll aufgedrehter Heizung und offenen Fenstern konnte ich wieder ein bisschen schneller fahren, gebracht hat es das allerdings auch nicht. Wenn er kalt ist, treten diese Probleme nicht auf und ich könnte theoretisch problemlos Vollgas fahren.

    Danach ist mein Vater gefahren, bestimmt 30Km bis er warm war, danach Autobahn bis 185Kmh laut Tacho, irgendwann fing er trotzdem an zu ruckeln.


    Folgende Dinge habe ich bis jetzt gemacht oder getauscht:

    - Widerstand von allen Temperatursensoren gemessen (Auch mal abgezogen und gefahren, keine Veränderung)

    - Alle möglichen Vergaserteile gemessen (Widerstände)

    - Drosselklappe überprüft

    - Alle Unterdruckschläuche geprüft und ggf. erneuert (ja, auch den Schlauch zum Bremskraftverstärker)

    - Vergaserflansch erneuert (der andere war zwar erst 4 Monate alt, hat sich jedoch komplett aufgelöst, der Vergaser lag noch nur drauf; Fahrverhalten komischerweise unverändert)

    - Zündung getauscht

    - Steuergerät getauscht

    - Ausblinken (Fehlercodes auslesen) --> 4444, keine Fehler

    - Zündkerzen überprüft, Rehbraun

    - Lamdasonde getauscht (Bin auch mal mit abgezogenem Stecker gefahren, keine Veränderung)

    - 1. Ersatzvergaser drauf gebaut, übergelaufen, wahrscheinlich Schwimmer defekt

    - 2. Ersatzvergaser drauf gebaut, 500 Upm Leerlauf, aber dafür wahnsinnig ruhig. Beim fahren alles ok, nur ging er bei jedem Schaltvorgang oder an der Ampel aus. Also:

    - Drosselklappensteller vom ursprünglichen Vergaser genommen, Leerlauf sauber bei 900 Upm

    Mit diesem Vergaser lief er erstmal gut, er hatte allerdings bedeutend weniger Leistung, die Beschleunigung war spürbar schlechter und bei 170Kmh laut Tacho war ende. Nach 20Km Autobahn fing er trotzdem an zu ruckeln und der Leerlauf war dann mal bei 500, dann wieder 900 Upm, allerdings unsauber. Wenn man danach jedoch wieder beschleunigt, kann mit wieder etwas schneller fahren, insbesondere, wenn man das Pedal nicht vollständig drückt. Also 120Kmh und ruckeln, Gas weg nehmen, langsam beschleunigen bis 140.

    Interessant zu erwähnen ist noch, dass der Motor sonst keine Probleme hat. Er ist Pudertrocken, frisst kein bisschen Öl und er hat noch richtig gut Kompression. Bis auf den KLR und einem Sportluftfilter (der nicht wegen 20 PS mehr Leistung, sondern nur weil dieser besser zu reinigen ist, verbaut ist) ist alles Original.


    Also alles in allem macht mich die Karre wahnsinnig. Meine letzte Idee wäre die Volllastdüse, aber ich wollte erstmal nicht an dem beliebten 2EE Vergaser rumschrauben, bevor ich da irgendwas verstelle. Komisch ist auch, dass er mit dem ersten Vergaser deutlich spritziger war. Wenn man den Erfahrungen hier aus dem Forum glauben schenken mag, hat er sich nicht wie ein PN, der oft als lahme Krücke bezeichnet wird, angefühlt, sondern sehr sportlich. Der Golf 3 GT meines Vater ist da fast auf dem gleichen Level.

    Ich hoffe jemand von euch hat noch eine Idee was es sein könnte oder es findet sich möglicherweise jemand aus dem Raum Ruhrgebiet, der mir helfen könnte. Für jeden Ratschlag bin ich dankbar und ich entschuldige mich für den halben Roman, ich dachte es ist so jedoch nachvollziehbarer. Schönes Wochenende euch!:]


    Update: Nachdem ich den ursprünglichen Vergaser heute wieder drauf gebaut habe, fährt er sich noch Träger. Auf der Bahn waren erst 170 möglich, dann 150 und schlussendlich noch maximal 140 laut Tacho.

  • https://www.ruddies-berlin.de/2eeQuickcheck.htm

    Heißer Motor nimmt schlecht Gas an. Dampfblasenbildung und Überschäumen der Schimmerkammer. Druckregler 7.21517.01 zwischen Gasblasenabscheider und Vergaser einbauen (L1)

    Danke für den Hinweis. Ich habe den druckregler mal getestet, funktionierte einwandfrei. Hab ihn dennoch getauscht, keine Veränderung. Habe die Seite von ruddies schon studiert, aber bisher noch nichts gefunden, trotzdem danke.


    Hat sonst niemand eine Idee?

  • Hast Du mal geprüft, ob die Umschaltung Warmluft/Kaltluft funktioniert?

    Das sollte nicht so drastische Auswirkungen haben, aber außer Warmluft und Vergaservereisung fällt mir nichts mehr ein.

    Ja, das sollte eigentlich funktionieren. Werde aber probehalber auch den Igel mal tauschen... Vergaservereisung würde mich wundern, weil er kalt ja super lief. Naja momentan ist eher das Problem, dass er auf der Bahn nicht mehr über 150 Tacho, also ca. 130 GPS kommt... Daher überprüfe ich die Tage erstmal, ob der zahnriemen sich nicht verschoben hat. Meinst du das kann damit zusammenhängen? Also dass er bis 130 gut läuft und dann einfach die Leistung weg ist?

  • Der Vergaser kann auch gerade bei Volllast vereisen, liegt an der Verdunstungskälte beim austritt aus der Düse, die Warmluftzufuhr würde ich aufjedenfall mal prüfen, kostet ja nichts.



    Wikipedia dazu:

    Entstehung und Bedingungen

    Im Vergaser strömt die angesaugte Luft durch die Drosselklappe. Dort wird sie beschleunigt (Venturi-Effekt), wobei ein Unterdruck entsteht, was zu einer Abkühlung der Luft führt. Vor der Drosselklappe strömt die angesaugte Luft durch die Benzinmischdüse, welche einen ähnlichen Effekt erzeugt.[1] Zusätzlich benötigt der Wechsel des Aggregatzustandes des Treibstoffs von flüssig zu gasförmig – das „Vergasen“ (technisch eher ein Verdampfen bzw. Verdunsten) – Wärmeenergie, die der Umgebung – also der bereits abgekühlten Luft – entzogen wird, wodurch diese sich weiter abkühlt. In der Ansaugluft enthaltener Wasserdampf kann durch diese Abkühlung zu flüssigen Nebeltröpfchen kondensieren, bis unter den Gefrierpunkt unterkühlt werden und beim Berühren der Wandung des Ansaugkanals zu kompaktem Eis erstarren.

    Dieser Vorgang läuft typisch bei Außenlufttemperaturen (engl. outside air temperature – OAT) von ca. −5 bis +15 °C ab und wird durch hohe relative Luftfeuchtigkeit gefördert. Denn einerseits muss die Frischluft kühl genug sein, um durch die typische Temperaturspanne der Abkühlung – abhängig vom Betriebszustand des Motors ca. 10–20 °C[1] – den Gefrierpunkt zu unterschreiten um überhaupt Eis bilden zu können, andererseits fördert die Ausbildung flüssiger Tropfen das Zusammenbacken. Ist die Umgebungstemperatur weit unter dem Gefrierpunkt, so enthält sie – absolut betrachtet – nur wenig Wasserdampf, der überdies eher gleich in fester Form als kleine Schneekristalle ausfällt, die dann vom Luftstrom eher mitgerissen werden als zusammenbacken.

  • Vergaservereisung würde mich wundern, weil er kalt ja super lief.


    Mein bisher einziges Erlebnis einer Vergaservereisung:

    >ca. 1h Autobahn, moderat um die 130 km/h

    > Tritt auf's Gas, weil es ordentlich Bergauf ging

    > nach ein paar Minuten Leistungsverlust bis die LKW auflaufen

    > 10 Minuten auf dem Standstreifen und der Motor läuft als ob nichts gewesen wäre


    Zitat

    Daher überprüfe ich die Tage erstmal, ob der zahnriemen sich nicht verschoben hat. Meinst du das kann damit zusammenhängen? Also dass er bis 130 gut läuft und dann einfach die Leistung weg ist?

    Ausschließen kann man es nicht. Andere Verdichtungsprobleme aber auch nicht.

    Hast Du mal die Kompression gemessen? Wurden die Ventilschaftdichtungen schon mal gewechselt?

  • Der Vergaser kann auch gerade bei Volllast vereisen, liegt an der Verdunstungskälte beim austritt aus der Düse, die Warmluftzufuhr würde ich aufjedenfall mal prüfen, kostet ja nichts.

    Alles klar dann mach ich das. Und wie kann ich einer Vereisung dann entgegenwirken?

    Klingt so ziemlich danach. Komisch nur, dass das problem sich so verändert hat. Anfangs ging er kalt super, nur warm fing er an zu ruckeln. Mittlerweile habe ich obenrum einfach Leistungsverlust, daher auch die Idee mit dem Zahnriemen. Das Ruckeln ist schließlich scheinbar kein Thema mehr. Kompression hat mein Vater vor längerer Zeit überprüft, die war bestens. Weiß die genauen Werte allerdings nicht mehr. Seit dem wurde er bis vor kurzem nicht bewegt. Schaftdichtung von uns jedenfalls nicht. Aber wie gesagt, der Motor ist pudertrocken, man findet nirgends auch nur einen Tropfen Öl...


    Nunja also wie kann ich einer Vereisung entgegenwirken? Nur über die Warmluftzufuhr?

    Vielen Dank, dass ihr euch damit beschäftigt!

  • Durch die Schaftdichtungen tritt kein Öl aus, sondern in den Zylinder ein.

    Wenn der Motor (insbesondere nach ein paar Tagen Standzeit) beim Anlassen eine weiße Wolke raushaut, sind die hin.

    Das ist jedenfalls nicht der Fall, generell keine weißen Wolken oder ähnliches. Werde mich morgen mal um die Warmluftzufuhr kümmern...

  • Bei der fehlenden Leistung kann man ruhig mal nach den Steuerzeiten gucken. das kenne ich selber.

    Aber der PN hat 2 Temperatursensoren: einer vorn am Wasserstutzen und einer im Ansaugkrümmer. Beide sind jeweils blau, jedoch unterschiedlicher Bauform. Hast Du beide geprüft?

    Es ist merkwürdig, dass der Motor kalt bestens läuft, warm aber spinnt. Im Warmen werden die Lambda-Werte mit ausgewertet. Da könnte man auch noch einmal ansetzen.

    Dass er bei abstecktem Sensor nicht ordentlich läuft, ist normal, da er im "Notlauf" ist.

  • Ich habe die Warmluft bzw. Den Igel überprüft. Funktioniert einwandfrei und bei erreichen einer gewissen Temperatur schaltet sich der Igel ab...

    Bei der fehlenden Leistung kann man ruhig mal nach den Steuerzeiten gucken. das kenne ich selber.

    Aber der PN hat 2 Temperatursensoren: einer vorn am Wasserstutzen und einer im Ansaugkrümmer. Beide sind jeweils blau, jedoch unterschiedlicher Bauform. Hast Du beide geprüft?

    Es ist merkwürdig, dass der Motor kalt bestens läuft, warm aber spinnt. Im Warmen werden die Lambda-Werte mit ausgewertet. Da könnte man auch noch einmal ansetzen.

    Dass er bei abstecktem Sensor nicht ordentlich läuft, ist normal, da er im "Notlauf" ist.

    Beide durchgemessen und probehalber ausgetauscht, alles gut. Steuerzeiten wurden nicht verändert. Aber auch die komplette zündung wurde getauscht, keine Veränderung.

    Bei der Lamdasonde hatte ich gehofft, dass im Notlauf irgendwas anders ist, aber leider bleiben die Symptome genau gleich. Kann es sein, dass das Steuergerät erst "resettet" werden muss(also Batterie ab), da es ansonsten noch die letzten Lamdawerte verwendet? Nunja auch die Lamdasonde wurde gewechselt. Mal wieder keine Veränderung nach ausführlicher Probefahrt...

  • Das mit dem Reset kann sein. Aber vielleicht hat das Stg auch einen Fehler?

    Wenn jetzt aber nur noch fehlende Leistung ein Problem ist: nicht dass die Kraftstoffversorgung zu schwach ist? Du hast Ja jetzt praktisch schon fast alles ausgeschlossen: Temperatursensoren, Vergaser, Lambdasonde. Was ist mit den Zündkerzen und dem Zündgeschirr?

    Auch wenn Du an den Steuerzeiten nichts gemacht hast: ich hatte das auch mal, dass, warum auch immer, die NW plötzlich 1 Zahn zu spät stand. Der Motor drehte nach der Korrektur wie ausgewechselt :].